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A Films-Up-Fashion Showcase

Films that inspire hope

Ist er jetzt Film Regisseur oder schreibt er Artikel? Also was denn? Beides! Die Dinge waren für mich nie linear und klar abgesteckt. Eher immer multi, und so auch diese online Publikation. Wie auch ein gutes Buch immer ein Vorwort hat, so dachte ich mir das kann auch hier nicht schaden.

Manchmal verläuft das Leben eben nicht linear, sondern macht Sprünge. Genau das ist mir passiert. Nicht nur beruflich sondern auch geographisch.

In Deutschland geboren, dann ich Brasilien aufgewachsen, wieder zurück nach Bayern, und schließlich nach Israel umgezogen. Die Sprachen waren im Schlepptau mit dabei.

Beruflich war die Sache komplizierter. Der Beruf — schon das Wort ist eigentlich selbsterklärend: man macht etwas wozu man sich berufen fühlt. Ja, “fühlt”, denn eine Bedienungsanleitung zum Leben gibts ja nicht. Es steht nirgendwo geschrieben. Man beschreibt sich selbst mit der Zeit selber.

Kann sich noch jemand an mein Maschinenbau Studium erinnern? Genau. Nach zwei Jahren abgebrochen! Dann Ausflug nach Rom und zwei Tage Probestudium im Fach Cinema. Dann der Papa gestorben mit anschließendem großem Loch. Letztendlich habe ich BWL studiert und war als Unternehmensberater in Israel tätig, was sehr spannend war. Dann 2017 Scheidung und wieder großes Loch. Jetzt ernster Restart. Genau richtig zur Midlife Krise – wahrscheinlich. Also Meditation und viel Besinnung um dem B-e-r-u-f endlich auf die Spur zu kommen. Ich hab also zurückgespult (Rewind, die zwei Pfeile nach links auf dem Media-Player) bis zum Probestudium in Rom. Dann kam die Erleuchtung! Und die nagende Frage warum es damals eigentlich nur bei einem Probestudium blieb?

Hinterher stellt sich heraus dass obwohl es einem das Leben anscheinend manchmal schwerer macht als man möchte, der Mehrwert ist aber höher als die Umstände die man durchmacht.

Mein Anfang als Film Regisseur

Alles fing mit der Fotografie an. Professioneller Kurs in Studio-Fotografie, zahlreiche Kurse im Bereich Video editieren. Glücklicherweise kenn ich mich mit Fotosensoren gut aus (über ein Engagement in einem Startup damals), weiss also was mit den Pixeln und Farben von Anfang an geschieht und wie die verarbeitet werden. Unheimlich wichtig um Farbe und Licht auf digitaler Ebene zu verstehen. Weil der Schwerpunkt eines professionellen Fotografie-kurzes sich mit all den verschiedenen Beleuchtungsarten und deren Auswirkungen befasst, gab mir das ein Wissen über Licht das – wie sich hinterher herausstellt – sehr selten in der Branche für TV und Film Produktionen zu finden ist. Jedenfalls in Israel. Die Liebe zur Fine Art Fotografie und zu Photoshop Kompositionen blieb. Ich lerne schnell – wenn ich möchte. Nach drei Jahren hat sich bei mir dann einiges an Know-How angesammelt.

Dann kamen Anfang des Jahres ein paar erleuchtende Momente. Zuerst ein Workshop der Editoren-Gilde (bin dort Mitglied) mit etlichen Editors (ein “Editor” auf English ist jemand der auf dem Computer den Film schneidet) die alle namhafte in Israel produzierte Serien editiert haben. Jeder hat dort ein paar von ihm editierte Ausschnitte gezeigt und kommentiert. Dann war dort auch jemand der mich einen Tag später im Wework in Tel Aviv (von dort aus arbeite ich) von der Seite her angepfiffen hat. Stellt sich heraus der war auch auf dem Workshop. Der ist ein ehemaliger Filmproduzent, ein alter Hase. Hat sofort Luft abgelassen: “die meisten Regisseure taugen doch eh nix”, und “Quentin Tarantino ist der größte Looser, kopiert eh nur von Sergio Leone”, und so weiter. Im Anschluss bin ich selbst Produktionen angegangen und Videoclips zusammen gebastelt in denen ich selber für Licht, für Kamera und fürs editieren zuständig war. Die habe ich dann mal herum gezeigt, denn ich wollte wissen was die alten Hasen davon denken. Positives feedback. Eine Erleichterung.

Weiter zu einem größeren Vorhaben. Jetzt sind wir circa einen Monat vor der Fashion Week Tel Aviv die im März dieses Jahres hätte stattfinden sollen, die aber wegen Corona abgesagt werden musste. Das ist deshalb wichtig, weil ich einen 30-minütigen Dokumentarfilm über “normalgewichtige” und “normal-aussehende” Modelle machen wollte, die erstmalig an der Show hätten teilnehmen können. Aus diesem filmischen Vorhaben wurde erst einmal nichts. Also weiter zur nächsten Idee.

Die kam dann in einem Gespräch mit dem Editor der führenden hiesigen online Modezeitschrift. Dem hab ich von der blöden Absage der Fashion Week erzählt – was er natürlich auch wusste – und vom Film den ich nicht machen kann, und dass ich doch ein Projekt suche für einen interessanten, ersten Film, so quasi mein Abschlussfilm nach erfolgtem Studium. Weil ich an keiner Film-Uni studiert habe, habe ich keinen Film als Abschlussprojekt und deshalb auch keine ersten richtigen Film in meinem Portfolio.

Aber nochmals zurück zum Filme machen und Schreiben. Mein Weg zum Regisseur verlief parallel zum Schreiben und zum Editieren. In der TV und Kino Welt befassen sich Regisseure normalerweise nur mit der künstlerischen Umsetzung des Drehbuchs. Eine spezielle Kategorie sind Regisseure die mehrere Funktionen übernehmen und dann nennt man die auf Englisch Filmmaker, also einen Filmemacher.

Geschichten (also die Skripte und Drehbücher) für Filme selbst zu schreiben war für mich wichtig, denn ich habe so viele Ideen auf Lager die ich erzählen möchte (Link zu der Film Seite). Ich trage da mehrere Hüter: Drehbuchautor, Regisseur, Editieren.

Ich hasse Berufstitel. Regisseur? Zu eng gefasst. Glücklicherweise gibt es da einen Begriff der meinen Stil und meine Rolle sehr genau beschreiben: Filmemacher. Genau! Das liebe ich.

Ich möchte mit meinen Filmen Hoffnung machen. Im Gegensatz zu Nachrichten in denen ja eigentlich nur Negatives geliefert wird und man schon meint die Welt geht morgen unter. Dabei ist es doch uns allen überlassen eine bessere Zukunft zu bauen, in der dann hoffentlich kein Material mehr für negative Berichterstattung gegeben ist. Das wäre das Ideal.

Ich sehe es als meine Aufgabe, als meinen Be-ruf, durch Dokumentarfilme gesellschaftliche Probleme zu beleuchten, und Ansätze für eine Lösung zu eruieren. Dadurch möchte ich einen Gedankenaustausch provozieren der zu einer breiteren Auseinandersetzung führt und damit zu einer Bewältigung dieses Falls beitragen soll. Damit bekommt der Film insgesamt einen optimistischen Grundton und man geht aus dem Film mit positiven Gedanken raus.

Die heutigen Dokumentarfilme beschreiben lediglich eine Situation, zum Beispiel die Verschmutzung des Pazifischen Ozeans durch Plastikmüll. Dabei werden keine konkreten Lösungsansätze aufgezeigt oder angedeutet. Da ist die Botschaft diese: hier ist ein Problem, aber niemand weiss wie man es löst. Man geht also aus dem Film mit dem Gefühl raus, Mensch da sollte etwas dagegen getan werden, aber niemand hat eine Ahnung was, also kommt keine Lösung und ich bin noch deprimierter als vorher. Denn selbst wenn die Königin von England den Film sieht und mit dem Kopf nickt, heisst das nicht dass morgen etwas dagegen getan werden kann. Denn mögliche Entscheidungsträger, die ja den Film hoffentlich auch sehen, haben noch keinen Lösungsansatz konkret auf dem Tisch.

Dabei fehlt es an solchen nicht. Genau die Leute die im Film mitwirken, sind diejenigen die tagtäglich mit den Problemen zu tun haben. Die haben meiner Meinung nach auch die besten Lösungsvorschläge. Nur muss man sie eben fragen und das dann in die Geschichte des Films einbauen. Dann bekommt der Dokumentarfilm eine weitere Dimension.

Mit solchen Themen setze ich mich auch in meinem Blog auseinander. Hier möchte ich Ideen anstossen und Lösungsansätze vorschlagen noch bevor irgendjemand einen Film daraus macht. Manchmal kann ich die auch als konkrete Idee für einen Film hernehmen und versuche dann diese als Handlung (Plot) zu beschreiben, als das dramatische Gerüst für einen Film.

Da kommt jetzt bestimmt die Frage auf: na wenn ihm die Lösung gesellschaftlicher Probleme so wichtig ist, warum wird er dann nicht Politiker oder versucht die anderweitig zu lösen? Bei mir überlappt sich hier ganz einfach die künstlerische Schiene im audiovisuellen Bereich mit dem Drang dieses Medium auf konstruktive Art und Weise hebend für das Allgemeinwohl einzusetzen. Auch lassen sich Sachverhalte und Ideen besser anhand von Geschichten wie zum Beispiel in einem Buch oder noch besser als Film wegen der zusätzlichen visuellen Komponente allgemeinverständlicher und einprägsamer darstellen.

Wer Regie an einer Filmhochschule studiert, der macht seinen ersten Film als Abschlussarbeit. Die ist deshalb so wichtig weil bei einer Anfrage auf Förderung bzw. Finanzierung eines Projekts immer nach vorherigen Arbeiten gefragt wird. Hat man keinen Film im Portfolio kann man auch keine Fuss in die Tür der Branche setzen. Aus diesem Grund ist mir die Produktion eines ersten Films so wichtig. Dabei stellt sich die Frage wie das finanziert werden soll? Für Abschlussarbeiten gibt es oft ein spezielles Verfahren in dem Studenten ein Budget ohne große Bürokratie bewilligt bekommen. Für so ein Verfahren kann ich mich nicht bewerben. Und wenn ich mich an die Filmfonds wende, dann können die mir auch nicht weiter helfen weil ich noch keine erste Arbeit vorzuzeigen habe.

Die drei typischen Möglichkeiten einen Film zu finanzieren kann so zusammenfassen: Filmfonds, TV (also die öffentlich-rechtlichen und privaten Sender) und Studios (dazu gehören Hollywood und heute auch die diversen Streaming-Dienste). Ganz pauschal aber durchaus korrekt geschildert möchten Studios nur Produktionen finanzieren die nachweislich Gewinn bringen. Bei den TV Sendern ist das ähnlich aber da spielt auch Rating mit und deshalb kommen von dort meist Produktionen die nachweislich hohes Rating versprechen. Ich tippe mal darauf, dass diese beiden meine Themen nicht unbedingt unterstützen.

Bei den Filmfonds wiederum finden man tatsächlich auch solche die Risiko eingehen und innovative Projekte unterstützen. Man kann sich das Thema aber nur selten selbst aussuchen, denn alle haben eine bestimmte Agenda und Strategie und suchen deshalb Filme auf einem bestimmten Gebiet.

Weil ich aber immer schon meinen eigenen Kopf hatte, mache ich nicht Filme die mir von anderen vorgeschrieben werden, sondern befasse mich eben mit Themen die meiner Meinung nach wichtig sind und realisiert werden sollten. Hierfür brauche ich aber langfristig einen von Filmfonds, TV und Studios unabhängigen Kanal ein Budget für solche Produktionen zu finden.

Crowdfunding ist hier ideal. Zum einen suche ich ohnehin den Kontakt zu dem Publikum das sich für meine Themen interessiert. Zum anderen müssen keine großen Beträge erhoben werden.

Dabei werden Gelder zweckgebunden für eine Aktion, für ein Projekt gegeben. Die Unterstützer erhalten eine Gegenleistung, ein nicht-finanzielles Dankeschön das je nach Projekt unterschiedlich strukturiert ist – zum Beispiel eine Kopie des Films oder der Eintritt zu der Premiere. In künstlerischen Projekten hat die Gegenleistung oft auch ideellen oder altruistischen Wert. Die Kommunikation zwischen Unterstützern und dem Geldnehmer und die Einsammlung der Beträge wird über eine Plattform im Internet getätigt. Der Geldnehmer veröffentlicht dort eine Ausschreibung, die Unterstützer wählen die Höhe des Beitrags und deren Gegenleistung und zahlen den gewählten Betrag ein.

Historisches Crowdfunding findet man bereits im 19. Jahrhundert. So wurde zum Beispiel der Sockel für die Errichtung der Freiheitsstatue durch 160.000 Einzelspenden ermöglicht.

Hier war Deutschland zum Beispiel von Anfang an dabei. Noch vor der Gründung der heute führenden Plattformen wie Indiegogo und Kickstarter wurden ich Deutschland bereits Filme durch Crowdfunding unterstützt. Das Roadmovie Hatschi Madame – Sorry Monsieur wurde durch den Verkauf von Eintrittskarten im voraus finanziert. Der Film Hotel Desire wurde damals mit Spenden über 175.000 Euro finanziert. Als weiteres Beispiel wurden 2012 für den Kinofilm zur TV-Serie Stromberg eine Million Euro eingesammelt. Auch in den USA wurden diverse kulturelle Projekte gefördert, darunter viele Musikproduktionen. Public Enemy, eine etablierte Band, hat 2010 für ein neues Album 75.000 Euro durch Fans und Unterstützer eingesammelt und die Erfahrung so beschrieben:

In our six months on SellaBand, we are proud to have broken ground into a new paradigm of music financing and to have learned so much about the fan funding model with our fans.

Bis heute werden international viele Filme über Indiegogo gefördert. Darunter Filme wie Code 8 der 2017 über zwei Millionen Dollar sammelte und nach einer Kinopremiere 2019 jetzt auch auf Netflix zu sehen ist.

Was ich hier spannend finde ist dass sich (für die Zukunft) ein Modell abzeichnet wonach kulturelle Projekte von Fans und von all denen unterstützt werden, denen die Realisierung solcher Vorhaben aus persönlichen, ideellen oder altruistischen Gründen wichtig ist.

Wenn dich interessante Dokumentarfilme interessieren und du auch der Meinung bist, dass es noch viele offene Fragen und gesellschaftliche Probleme gibt mit denen sich Filme auseinandersetzen sollten, dann bleiben wir doch in Verbindung. Sende mir hier deine Email damit ich dich einmal pro Monat über interessante Artikel die ich schreibe und die hier relevanten Themen benachrichtigen kann. Diskussion und Gedanken anzuregen ist mir immer wichtig. Deshalb gibt es auch die Möglichkeit unter jedem Artikel auch Kommentare zu schreiben. Deine Ideen und Anregungen sind also immer willkommen.

Als Ziel für die Produktion von Dokumentarfilmen strebe ich einen Film pro Jahr an. Die sollen dann über Film Festivals veröffentlicht werden. Hier werde ich auch immer vorab Informationen über den Film zur Verfügung stellen und auf entsprechende Crowdfunding Projekte hinweisen. Darüberhinaus gibt es auch laufend neue Fotos, Videos und Updates zu geplanten und laufenden Produktionen auf Instagram, Facebook, LinkedIn, Twitter. Wenn ihr diese nutzt, dann folgt mir doch auch dort. Je aktiver, desto besser.

Drücken wir also die Daumen. Ich wage mich hinein in diese neue Welt, bin aber zuversichtlich dass es mit eurer Unterstützung noch viele Filme geben wird die Hoffnung machen.